Der Virgin London Marathon 2013- Emotionen pur!

 

Durch die Ereignisse während des Boston Marathons, am Montag den 15. April 2013, wurde meine Vorfreude auf London stark getrübt. Nicht zum ersten Mal haben Terroristen mit ihren Taten den Menschen ihre Verletzlichkeit vor Augen geführt. Immer wieder werden unschuldige Opfer solcher Abscheulichkeiten. 100% Schutz gibt es nicht. Wir alle sind verwundbar, körperlich wie seelisch. Die Gesellschaft darf sich nicht von Einzelnen oder Gruppen terrorisieren lassen, wir müssen so schnell wie möglich zur „Normalität“ zurückkommen, sonst haben die Terroristen über uns gesiegt. So wurde der 2. Major Marathon innerhalb von 6 Tagen in London planmäßig gestartet. Es sollte ein Lauf voller Emotionen werden.

 

Bei der Startnummer Ausgabe am Freitag  wurde auf das Vorzeigen des Lichtbildausweises verzichtet. Für jeden Läufer lag eine Kondolenzschleife zur Befestigung am Lauf- Shirt bereit. Ein Plus an Sicherheitskräften oder  verstärkte Kontrollen konnte ich nicht feststellen. Die Stimmung auf der Messe war hektisch aber sehr positiv und langsam erhöhte sich bei mir die Spannung, die Vorfreude war wieder da.

 

Am Sonntagmorgen fuhren wir mit dem Bus  zum Startbereich im Greenwich Park, dort gibt es 3 Starts ( Red, Green und Blue). Alle ausländischen Läufer starten wie die Elite im blauen Bereich. Der Massenstart beginnt um 10:00 Uhr, jeder Bereich ist nach Zielzeiten aufgestellt und in 9 Zonen unterteilt. Jetzt noch eine Schweigeminute in Gedenken der Boston-Opfer und dann laufen wir bei perfektem Laufwetter Richtung Startlinie. Die Straßen sind eng, Bestzeiten laufen wohl nur die 3 Stunden Läufer. Bereits nach ca. einer Meile teilen wir die Strecke mit den Grünen Startergruppe, es wird noch enger, teilweise kommt die Kolonne kurzzeitig zum Stehen. Bei Meile 3,3 kommt nun auch die rote Gruppe dazu, hier sind wir mittlerweile das erste Mal an der Themse. Weiter geht es durch enge Straßen und mit super Stimmung, die Zuschauer schreien „Ihre Läufer“ nach vorne, obwohl die „Gruppe“ harmonisch unterwegs ist, beginnen bereits bei km 8 einige Akteure zu gehen. Hier sind nicht nur Marathonläufer am Start, Hobbyläufer sind ein hoher Anteil der Charity und nicht jeder ist in Topform.

 

Bei Meile 6,5 kommen wir in den Docklands zum zweiten Mal an die Themse und umrunden das Museumsschiff  „The Cutty Sark“. Das Nächste Highlight ist die Überquerung der Themse bei Meile 12. Ich laufe über die Tower Bridge, absolutes Hochgefühl, Gänsehaut pur.  Man hat das Gefühl von den Zuschauern getragen zu werden, die Füße berühren kaum die Straße, alles ist so leicht. So toll kann Laufen sein!  

 

Nach der Tower Bridge laufen wir in die falsche Richtung, das Ziel liegt westlich. Hier geht es 5 Meilen Richtung Osten, bei Meile 19 sind wir im neuen Bankenviertel, dem Canary Warf, auch hier stehen die Zuschauer in mehreren Reihen und feuern ihre Kollegen an. Auch Banker können Laut sein!! Noch eine 90 Grad Kurve und ab Meile 20,2 geht es Richtung Ziel.

 

Etwa bei Mile 22, James Garden, treffen wir die Läufer Richtung Osten, die noch eine 8 Meilen Schleife zurück sind. 2 km „Gegenverkehr“ bis Höhe Tower Hill. Ab hier beginnt die sight-seeing Tour: links liegt der Tower of London, wir befinden uns in der City of London und laufen auf der Upper Thames Street, weiter Themse aufwärts durch den Blackfriars Underpass zu Middle Temple Gardens, ab hier kann ich The London Eye sehen. Jetzt geht es Richtung Ziel! Die letzten 1,4 Meilen, in den Stadtteil Westminster. Hier sind die Straßen etwas weiter, was der Stimmung aber keinen Abbruch tut. Bei km 40 fordern die Oberschenkelmuskulatur etwas Aufmerksamkeit, aber die Konzentration richtet sich auf das House of Parliament, hier geht es rechts ab in den Birdcage Walk am St. James Park. Der Asphalt wird rot, das liegt aber nicht am Blut der Läufer sondern war sicherlich ein Wunsch des Könighauses. Im Asphalt sind rote Steine eingearbeitet damit die Pferde nicht wegrutschen (habe ich gestern bei der Stadtrundfahrt gelernt). Für die Läufer ein Grund nicht auf allen Vieren über die Ziellinie zu robben. Ich sehe den Buckingham Palast, noch 400 m, Kurve nach rechts, am Palast vorbei und in The Mall einbiegen. Vielleicht noch 200 m. Endspurt? Nein, den Zieleinlauf einfach nur genießen.

 

Für mein schönstes Lauferlebnis ist nicht nur die perfekte Organisation des Laufes mit den ca. 11,200 freiwilligen Helfern, dem absolut Toplaufwetter sondern vor allem das frenetisch anfeuernde Publikum verantwortlich. Die Enge der Straßen und das „Gedränge“ der Läufer lässt die Anfeuerungsrufe der Passanden teilweise wie einen Orkan anwachsen. Ein Kollege im Ziel sagte nach 4:30 Stunden: „ Ich kann den Krach nicht mehr hören!

 

 

zur Streckenkarte

 

Versorgung:

Nestlé Pure Life Wasser: ab Meile 3 bei jeder Meile, bis Meile 25

Lucozade Sport (ähnliche Gatorade): bei Meile 5, 10,15, 19 und 23

 

Meine eigene Verpflegung:

90 min. vor Start: eine Portion Aktiv 3 Isoton

30 min. vor Start: Schneekoppe Rote Bete Saft 330 ml

kurz vor dem Start: 2 Riegel Schokolade 70% Kakaoanteil

4 Tuben Liquid Energie pur während des Rennens bei km 8, 16,24 und 32

Temperatur zwischen 13 und 15 Grad Celsius