Knastmarathon Darmstadt am 18.Mai 2014

  • Startnummer und Finishermedaille
  • Die Laufstrecke (24 Runden)

Zum achten Mal wurde der Knastmarathon Darmstadt mit internationaler Läuferbeteiligung auf dem Gelände der JVA ausgetragen. Die Veranstaltung ist klasse organisiert und jeweils sehr früh ausgebucht. Die Startgebühr beträgt nur EUR 25,00 und ist somit ein Schnäppchen. Verpflegung ist einzigartig, da die Rundstrecke 24mal durchlaufen werden muss, gibt es 24 Verpflegungsstationen!  Im Preis inbegriffen ist Veranstaltungsshirt und Finisher-Medaille.

 

Dieses Jahr dürfen 180 „Gäste“ starten. Wobei auch aus andern “Instituten“  Läufer mit Hilfe von Polizeitransportern eingefahren wurden. Startberechtigt waren 314 Teilnehmer beiderseitigen Geschlechts.

 

Die Einreise ist streng reguliert. Jeweils 10 Läufer sind pro ¼ Stunde bestellt. Jeder Läufer darf eine vorher angemeldete Begleitperson mitbringen (Personalausweis nicht vergessen). Markus und ich waren für 7:45-8:00 Uhr gemeldet. Die Sicherheitskontrollen sind etwas strenger als am Flughafen, ist schon klar oder? Fotoapparate, Telefone und Alkohol dürfen nicht eingeführt werden, auch klar!! Drogenhund streicheln ist nicht erlaubt. „Der soll arbeiten und nicht kuscheln“, so der Hundeführer. Dann ging es auf das  Innengelände und wir können die Startunterlagen abholen.

 

Die Einheimischen sind von den Auswertigen durch die bordeaux farbigen T-Shirts zu unterscheiden und noch deutlich in der Überzahl. Nach und nach füllt sich das Gelände  zwischen Start/Ziel und Versorgungsbereich. Pünktlich um 10 Uhr soll der Startschuss fallen.

 

Ich schaue mir die Laufstrecke an: 24mal ist die 1758 Meter „Schleifen“ zu durchlaufen. Hier sind zwei 180 Grad Kehren dabei und alles links rum. Durch die 48 Kehren ist die offiziell vermessene Strecke wohl nicht bestzeitfähig. Wie sich später zeigt, ist die gesamte Strecke sehr gut beschallt.  Die externe Sambatruppe wird vor der Sporthalle gruppiert und macht über vier Stunden einen höllischen Lärm, klasse! Die Laufwege sind eng aber für die geringe Läuferzahl voll ausreichend.

 

Pünktlich um 10 Uhr fällt der Startschuss. Obwohl so wenige Läufer, doch sehr emotional. Dieter Bremer (Projektleiter des Knastmarathons und ehemaliger Streckenchef FFM Marathon) versteht eben seinen Job. Der Startschuss fällt und alle stürmen los. Wie immer sind einige zu schnell unterwegs. Die teilweise sehr hohen Temperaturen und die stehende Luft an den Gefängnismauern fordern schon früh ihren Tribut, viele Läufer steigen aus.  Disziplin ist heute wichtig, viel trinken und alle gereichten Wasserschwämme nutzten, nicht überhitzen!!

 

Damit alle Insassen auf ihre „Kosten“ kommen, bekommt jeder Block Freigang. Die Jungs unterstützen hauptsächlich die weiblichen Läufer, teilweise mit markanten Sprüchen. Kommentar von einem Einheimischen: „je dümmer die Sprüche, desto länger der Aufenthalt des Sprücheklopfers.“

 

Es bilden sich immer mehr Grüppchen, Unterstützung ist angesagt. Nach Möglichkeit sollen alle Internen ankommen. Sie haben die letzten 6 Monate bis zu 5mal die Woche trainiert. Laufen nach individuell angepasstem Plan, auch nach Herzfrequenz, Stabilisationsübungen, Lauf ABC und regelmäßige Leistungskontrollen standen auf dem Programm.
Ein Paar Sprüche von unterwegs: „Du hast 20kg Brustmuskulatur aber keine Beine“ oder „raus kommst du nur über die Ziellinie.“ Ein Knacki ist dehydriert und verlässt liegend, auf einer Bahre, die Anstalt ohne jedoch über die Ziellinie zu gehen.


Vor drei Wochen hatte ich meinen Start in Düsseldorf wegen Schmerzen im Knie abgesagt und konnte erst sei ca. zwei Wochen wieder schmerzfrei Laufen. Mit zu wenig lange Läufe und dem Wunsch unter vier Stunden zu bleiben ging ich auf die Strecke. Nach 8 Runden bekam ich leichte Schmerzen im linken Sprunggelenk, was ich auf die Linkskehren zurückführte, also hier etwas langsamer und siehe da, der Schmerz verging. Die ersten 20 Runden konnte ich gleichmäßig laufen, wobei ich öfters bei Markus nachfragen musste, wieviel ich denn gelaufen bin. Mika Timing stellte zwar eine Leinwand mit Zwischenergebnissen zur Verfügung, hier wurden die gelaufenen Runden angezeigt, der Kontrast war sehr schlecht und ich konnte die Anzeige nicht lesen.

 

Bei den letzten vier Runden fehlte mir leider die Kraft und ich konnte meine bisherigen Rundenzeiten nicht mehr halten. Gefinished mit 3:48:19. Glücklich und zufrieden im Ziel.

 

Bei vielen Teilnehmern wurde die Willensstärke, auch nach 5 Stunden über die Ziellinie zu laufen, durch die internen Helfer großartig unterstützt. Über angereichte Getränken, Bananen, Riegel und nassen Schwämmen konnte sich auch der letzte Läufer freuen. Gespräch zwischen Internen und Externen gab es nicht nur unter den Läufern, weder die Begleitpersonen noch die Insassen hatten Berührungsängste.

 

Durch die sehr gute Organisation und die „familiäre“ Atmosphäre innerhalb der Mauer gab es unter den externen Läufern jede Menge „Wiederholungstäter“! „Die meisten kommen wieder“, so der Kommentar eines mehrfachen Teilnehmers in der Umkleidekabine.

 

Der Darmstädter Knastmarathon  ( http://www.sv-kiefer-darmstadt.de/ ) eine klasse Veranstaltung !