44. Berlin Marathon

  • 44. Berlin Marathon

Wetter Vorhersage für Sonntag:

Morgens 13 Grad Celsius, Regenwahrscheinlichkeit 40%

Mittags 19 Grad Celsius , Sonne.

 

Am Sonntag Morgen um 8:45 Uhr verlasse ich mein Hotel in Richtung der Startblöcke auf der Strasse des 17. Juni. Es regnet, die Strassen sind nass, ich trage eine Wärmefolie und laufe mich kurz ein. Man muss es nehmen wie es kommt, denke ich, schließlich kann man das Wetter nicht beeinflussen und so schlimm ist das auch nicht. Die Temperatur , von etwas über 10 Grad Celsius empfinde ich fürs Laufen optimal und das bisschen Regen macht auch nichts.

 

Ich starte in der zweiten Startgruppe, Startblock F. Wenn ich loslaufen darf (um 9:39 Uhr), sind die Gazellen bereits bei km 8. Auch nicht schlimm, im Startblock ist klasse Stimmung. Der Sprecher heizt uns kräftig ein, die Musik ist gut und Gesprächsstoff ist zur Genüge vorhanden.

 

Dann geht es aber endlich los. Die Schlange bewegt sich Richtung Start und zum zweiten Mal ertönt der Startschuss. Um die Siegessäule bis zum Ernst-Reuter-Platz, 2,5 km gerade aus. Ich suche mein Tempo und bei jedem Schritt spritzt kaltes Wasser die Beine hoch und läuft langsam wieder runter. Das Sohlenprofil nimmt mehr Wasser auf als ich dachte und so bin ich untenrum nach ein paar Kilometer ziemlich nass, bei den Temperaturen aber noch nicht wirklich unangenehm.

 

Bei km 7, Nähe Kanzleramt, stehen meine Familie, die Adidas Runners aus Frankfurt und die Reisegruppe von InterAir, somit viele bekannte Gesichter. Obwohl es regnet befinden sich jede Menge Zuschauer an der Strecke, viele mit Regenschirm, der dann auch im Takt der Musik bewegt wird, damit die Umstehenden auch was vom Regen abbekommen. Auf den 42 km sollen ca. 80 Musikgruppen verteilt sein, ob sie dieses Jahr, bei diesem schlechten Wetter alle angetreten sind, kann ich nicht sagen (habe sie nicht gezählt). Die Stimmung auf der ganzen Strecke ist jedoch erstklassig. Dort wo keine Band musiziert, wurden Stereoanlagen auf die Balkone gestellt und die Läufer von dort beschallt.

 

Zwischen Tor- und Mollstrasse, bei km 10, die erste Kontrolle, ich bin ziemlich langsam. Nicht schlimm, Weltrekord läuft heute sowieso keiner! Ich versuche auf den nächsten 10 km etwas mehr Tempo zu machen und so geht es im Sauseschritt vom Strausberger Platz, 270 Grad Turn, nach Neukölln zum Hermannplatz, ist der östlichste Punkt der Strecke über den Südstern (Kreuzberg) nach Schöneberg. Bei km 20, Kontrolle und Überraschung: gleiches Schneckentempo! Irgendwie komme ich nicht in den flow. Mal bin ich schnell und mal langsam, jedenfalls laufe ich nicht gleichmäßig.

 

Am Rathaus Schöneberg vorbei zum Verpflegungsstand bei km 25, auch hier wieder einen Becher Wasser aufnehmen, trotz des miesen Wetters, immer diszipliniert trinken. Nicht dehydrieren.

 

Nun am Platz am Wilden Eber, fast die 30 km geschafft. Mein Tempo wir noch etwas langsamer und ich sehne die Kaiser Wilhelm Gedächtnis-Kirche herbei. Wo war die noch mal? Irgendwann muss ich doch den Kurfürstendamm erreichen. Am Olivaer Platz ist es dann endlich so weit, rechts um die Ecke und Gegenwind. Zum ersten Mal wird mir etwas kalt. Jetzt brauche ich nochmal Kohlehydrate. Schnell eine Tube "Liquid" von aktiv3 und weiter gehts.

 

Bei km 35, direkt hinter dem Verpflegungsstand befinden sich freie Massageliegen. Kurz entschlossen bitte ich geschickte Hände über meinen rechten M.biceps femoris- Caput longum zu streichen um zu schauen ob sich hier ein Krampf anbahnt. "Nein, alles gut," sagt die nette junge Dame und ich kann beruhigt weiter Richtung Potsdamer Platz laufen.

 

Der Adidas Runners Cheeringpoint, hier ist die Stimmung gigantischen, zwingt mir ein Lächeln ab. Lachen entspannt. Danke ihr Lieben, das hat mir sehr geholfen. Ich klatsche jede Menge Hände ab und fühle mich fast wieder frisch. Nach kurzer Zeit erreiche ich dann den Potsdamer Platz. Für mich immer die wichtigste Zwischenetappe, hier angekommen beginnt der Endspurt und im Kopfkino sehe ich bereits das Ziel.

 

Zwei km gerade aus, auf der Leipziger Strasse, können sehr lange sein. Viele Läufer müssen hier gehen, wahrscheinlich hat ihnen das feuchte Wetter stark zugesetzt. Die Zuschauer feuern uns lautstark an und treiben mich zum Gendarmenmarkt (hier gibt es eine tolle Currywurst). Noch drei mal um die Ecke und das Brandenburger Tor ist in Sichtweite. Die letzten Meter und das Ziel ist erreicht.

 

Die äußern Bedingungen waren 2017 nicht optimal, meine angedachten Zielzeit konnte ich leider nicht erreichen aber trotzdem hat mir das Erlebnis  Berlin Marathon wieder sehr viel Freude bereitet.

 

Ich bedanke mich bei den vielen helfenden Händen und dem tollen Publikum in der Hauptstadt, ohne euch wäre ich heute bestimmt nicht unter vier Stunden ins Ziel gekommen. Die 42.195 Meter lange Partystrecke ist immer eine (Lauf-)Reise wert. Die Organisation im Start- und Zielbereich finde ich optimal, besser kann man es kaum machen. Ich komme bestimmt wieder. Danke Berlin

 

PS: Bei den Herren wurde leider kein Weltrekord gelaufen aber bei den Finishern ein neuer Rekord erzielt. 39.101 Läufer-innen erreichten das Ziel, trotz der schwierigen Wetterbedingungen und zahlreicher Ausfälle.