Motivation – oder warum laufe ich eigentlich

Vielleicht ist dir das auch schon passiert? Ich laufe über die Ziellinie, bin körperlich noch fit aber im Kopf total leer. Im ersten Moment denke ich, das war’s. Nie mehr Marathon!

Was ist passiert? Berlin Marathon September 2017, ich bin top vorbereitet und möchte nicht nur die Stimmung an der Strecke genießen, nein, ich möchte sogar an meine Bestzeit anlaufen, vielleicht sogar verbessern.
Wir kommen am Donnerstag als kleine Reisegruppe in Berlin an und genießen die Tage vor dem Rennen. Uns geht es gut! Wir logieren in einem tollen Hotel, genießen gute Restaurants, haben viele Gespräche und die Damen können erfolgreich shoppen.

Am Sonntag ist Wettkampftag. Ich starte mit den rituellen Vorbereitungen zum Frühstück, dem zurechtlegen der Wettkampfkleidung und –Verpflegung. Dann bin ich bereit für den Weg zum Startbereich. Noch ein letzter Blick zum Himmel. Es regnet. Ich ziehe ein leichtes Cape über und verlasse mein Hotel in Richtung Kanzleramt. Warmlaufen ist angesagt, die Bewegungen sind flüssig, ich fühle mich gut und freue mich auf den Start.

Wie immer herrscht hier enormes Gedränge, jeder will in seinen Startblock, dann noch dies und jenes. Aber dann geht es endlich los. Der Startschuss erfolgt und die Meute wird losgelassen. Schon beim ersten Kontrollblick auf meine Polaruhr erkenne ich: Die Pace ist nicht konstant, ich bin zu langsam, also etwas mehr Gas geben, wird schon. Leider habe ich mich zu früh gefreut, ich bin zwar zügig unterwegs aber ich kann einfach das Tempo nicht halten und so wird der Lauf sehr unrhythmisch. Bei km 36 bekomme ich ein Ziehen im rechter Oberschenkel, mein Bizeps femoris „macht zu“! denke ich. Wie auf Wunsch, befindet sich hier an der Strecke ein medizinischer Stützpunkt und mehrere frei Massage Liegen. Geschickte Hände greifen tief in den Muskel und kneten alles wieder weich und so kann ich die letzten km bis zum Ziel ohne Probleme weiter laufen. Angekommen. Glücklich aber leer !
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Nach Berlin habe ich mir eine Woche vom Laufen freigenommen. Der Fokus liegt nun auf Entspannung, Regeneration und die Vorbereitung auf unseren Urlaub nach Amerika und Canada. Ende Oktober wieder zu Hause, aber auf Laufen habe ich immer noch keine Lust. Ist ja nicht schlimm, der nächste Event ist London, im April 2018 und dafür ist immer noch genügend Zeit. Jetzt kommen Lebkuchen, Glühwein und jede Menge Weihnachtmarktbesuche…. Laufen, nein , immer noch keinen Drang.

Weihnachten ist vorbei, die vielen Lebkuchen haben angesetzt und das Bäuchlein ist gewachsen. Irgendwie erkenne ich Ähnlichkeiten.

Wo bleibt die Motivation? Ich schaue aus dem Fenster, draussen ist es kalt und ungemütlich, der innere Schweinehund gewinnt! Schon wieder.
Wie kann ich mich aus meinem Loch ziehen? Mir fällt das kleine Buch von John Strelecky wieder ein: „Das Café am Rande der Welt„. Eine Erzählung über den Sinn des Lebens. Warum bin ich hier und was macht mir Spass?

Hier komme ich zur Frage: Warum Laufe ich? Nicht weil ich schnell bin und immer neue Bestzeiten erreichen will. Nein, sondern weil Laufen mir Spass macht und ich dabei entspannen kann. Ich bekomme beim Laufen den Kopf frei, lerne neue Freunde, Länder bzw. Städte kennen. Alles sehr positive Dinge. Oder?

Ich halte meine Finisher-Medaillie von London 2013 in der Hand und freue mich auf den London 2018. Also rein in die Laufschuhe und raus zum Training.

Es läuft wieder. Mein Trainingsprogramm habe ich umgestellt, viele Nüchternläufe eingefügt. Auch Pilates habe ich für mich entdeckt. Nicht weil ich es kann, sondern ich habe die Notwendigkeit entdeckt, der Einseitigkeit des Laufens entgegen zu wirken. Und natürlich immer noch Indoor Cycling. Anspruchsvoll ? Ja, aber immer ohne Zwang, der Spaß steht im Mittelpunkt.

Jeder gefinishte Marathon ist ein Geschenk! Nach diesem Motto möchte ich so lange Laufen, wie es meine Gesundheit zulässt.

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